Das letzte der schönen Feste und eine Demo auf der Streuobstwiese

Salute. Das letzte Mal,  so hatten wir versprochen, sollte besonders gut werden. Versprochen ist versprochen. Und dann kommt der Regen, schon zwei Tage zuvor. Beim Aufbauen. Nasser kann mann nur werden, wenn man in voller Montur ins Wasser springt. Und der Regen schwemmt beim letzten Streuobstwiesenfest all unsere guten Absichten hinweg. Da hilft auch keine Durchhalteparole „wenn wir neun mal Glück mit dem Wetter hatten, dürfen wir das zehnte Mal mit Regen nicht traurig sein“. Schlechtes Wetter macht trotz guter Regenbekleidung einfach schlechte Laune. Die Umsätze brechen weg. Die Biertische bleiben leer. Die Mitmachstände verwaisen, so sie nicht unter Zelten stehen, die dem Sturm standgehalten haben.

So stehen wir da und frönen unserer miesen Stimmung über das blöde Wetter. Und ab zehn  Uhr geschieht etwas, mit dem wir ganz und gar nicht gerechnet haben: die Harten unter den Elmshorner/innen packen sich selber und insbesondere ihre Kinder in gelbes, blaues, grünes und rotes Polyethylen oder in gewachste Baumwolle ein und stapfen auf die Wiese. Katzen, ja nicht mal Hunde schickt man vor die Tür. Aber Elmshorns Jugend hat ihren Spaß. Matscht in der aufgeweichten Grasnarbe herum, in der sich zuvor Autos festgefahren haben. Deren Erziehungsberechtigte laben sich an Apfelsaft, Calvados oder Cidre und nehmen ne Ökowurscht oder eine Erbsensuppe zu sich. Der Spaß, den die Sprösslinge in diesen Schlammfurchen haben, steckt an.

Es gießt in Strömen und es stürmt. Martin Redepenning vom BUND hängt am Tombolazelt in den Seilen, damit das Zelt nicht von dieser oder jener Windböe weggeweht wird. Obwohl das die Böe nun wieder gar nicht interessiert, weil sie im Zweifel diesen Martin gleich mitnimmt. Aber er freut sich über die Kinder im Matsch. Über deren buntes Treiben, das bisweilen eher an Goethes Farbenlehre denn an ein Ökofest erinnert. Und Chris Hilgenfeld von der Tombola freut sich ebenfalls. Und brüllt Martin zu „… ich häng mich einfach mit ins Zelt, wenn es wegzufliegen droht“. Die Böe würde es vermutlich immer noch nicht interessieren, weil sie Leichtgewicht Chris ebenfalls einfach mitnehmen würde. Aber sicherlich wäre ein wegfliegendes Zelt mit zwei zappelnden, pitschnassen Ökos die Attraktion beim letzten unserer Feste auf der Wiese am Wisch.

Es bleibt uns erspart, weil die Böe plötzlich genauso überrascht innehält, wie wir anderen Organisatoren. Da bahnt sich eine Demo über die Wiese den Weg. Keine Ordnungsmacht in Sicht. Sie bahnen sich den Weg durch die achttausendzweihundertdreiundsechzig Besucher des Festes und brüllen lauthals „ ... wir wollen weiter unser Streuobstwiesenfest !“ inklusive Ausrufezeichen und mit Betonung auf „unser“.

Keiner der Demoteilnehmer ist größer als sagen wir fünfzig bis sechzig Zentimeter. Deren Erzeuger stehen im gebührenden Abstand zu den kleinen Unruhestiftern und freuen sich den Ast. Uns Organisatoren steht das Maul auf und es regnet rein. Endlich mal jemand, der nicht d(r)um herum redet „ … in 2007 sollte es schon das letzte Mal sein. Wer weiß, ob es wirklich der letzte Biss in den Streuobstapfel war“ oder  „ … die kriegen die Hygiene nicht in den Griff, deshalb müssen die aufhören“. Papperlapapp. Alles Unsinn. Wir hören auf, weil es am Schönsten  ist. Punkt.

Und nun steht Jung-Deutschland eben auf der Wiese und fordert unseren und ihren Tribut. Mehr Streuobstwiesenfest. Kürzer kann man es nicht fassen. Wasser und Rotz laufen ihnen über die roten Wangen. Die Ernsthaftigkeit ihrer Forderungen wird durch das feste Auftreten in ihren Gummistiefeln gleichermaßen betont. Schlamm und Wasser spritzen hoch und weit, sodass es ein Leichtes für sie ist, sich ihren Weg über die Wiese und durch die Erwachsenen zu bahnen.

Was spielt es da noch für eine Rolle, dass ab zwei Uhr der Regen aufhört und die übrigen ElmshornerInnen auch noch den Weg auf die Wiese finden. Was spielt es da noch für eine Rolle, dass die Zeit nicht mehr reicht, um alle Öko-Bratwürste an die Männer und Frauen zu bringen. So steht der Superöko und Vegetarier um siebzehn Uhr plötzlich mit Hunderten nicht verkaufter Würstchen da. Und eigentlich spielt es auch keine Rolle mehr, ob das Fest nun endgültig aufhört oder vielleicht doch weitergeht, wie spekuliert wird.

Denn bei allem Einsatz in diesen zehn  Jahren. Bei allem Urlaub der dafür geopfert wurde. Bei allem ehrenamtlichen, hauptamtlichen und sonstigen Einsätzen – es hat uns Organisatoren letztendlich Spaß gemacht. Aber diese Demo der kleinen Knöpfe, ich sage Ihnen, diese Demo ist mehr als das Sahnehäubchen auf einer netten Veranstaltung. Es ist das ultimative Dankeschön an uns. Da haben sich Menschen, junge Elmshorner/innen sehr sehr wohl gefühlt. Und sie haben es uns auf ihre Art gezeigt. Was können wir mehr wollen? Danach, das erwähnten wir bereits, können wir nur noch aufhören – und hoffentlich mit was Neuem irgendwann wieder auftauchen. Dafür, Ihr Kleinen Menschen danken wir Euch. 

Danke!

Chris Hilgenfeld (Spielzeugtruhe); Martin Redepenning (BUND)

 Dr. Elke Krabbe (Stadt Elmshorn); Björn Hansen (SECRETMEDIA)

 Werner Steinke (Robin Wood)